Optiktest WS140 des Herrn Rohr
Praxistest von Wolfgang Dzieran
Testbericht Herr Bruell / Wien
Bericht
Optischer Test
Astrofotos mit dem WS 250 f/11
Einführung
Montierung/Sucher
Leistung
Vergrößerung/Temperierung
Lagerung und Spiegelreinigung
Astrofotografie

Mit dem WolterScope 200 (150/180) können Sie ein hochwertiges optisches Gerät vom Typ der Schiefspiegler erwerben. Die Schiefspiegler wurden ursprünglich von Anton Kutter [1,2] entwickelt. Seine Zielsetzung war es, durch eine Neigung des Hauptspiegels den Zweitspiegel außerhalb des Strahlengangs anzuordnen. Damit lässt sich eine Minderung der Bildqualität durch Abschattungs– und Beugungseffekte vermeiden, wie sie bei den Spiegelsystemen mit einem zentralem Fangspiegel (Newton, Cassegrain usw.) auftreten. Da bei der Reflexion auch keine Farbfehler entstehen, liefern Schiefspiegler grundsätzlich eine perfekte Abbildungsqualität.

Bei dem Multi-Schiefspiegler handelt es sich um eine vollständig neue innovative Weiterentwicklung des Schiefspieglers [3,4]. Das neuartige optische Prinzip des Multi-Schiefspieglers ist durch ein Patent vom Hersteller geschützt worden[5].
Durch Hinzufügen eines Drittspiegels in den Strahlengang und die Doppelnutzung des Zweitspiegels werden insgesamt 4 Reflexionen ausgeführt. Der Strahlenverlauf (Reflexionsfolge 1 - 4) ist in der Abbildung dargestellt. Die Bildentstehung (Fokuslage) erfolgt seitlich hinter dem Hauptspiegel und erlaubt damit eine Beobachtungsgeometrie die einem Refraktor ähnlich ist.

Strahlengang des Multi-Schief-Speiglers



Die optische Anordnung wirkt sich vorteilhaft auf die Bildqualität aus, wie umfangreiche Berechnungen zeigen. Eine Kompensation der Bildfehler wird damit auch bei relativ großen Öffnungsverhältnissen (f/10) und selbst bei Großteleskopen mit mehr als 0.5 m Öffnung möglich. Zudem wird der Lichtweg mehrmals gefaltet, so dass ein sehr kompakter Tubus entsteht.
Der Schwerpunkt des Geräts befindet sich im hinteren Drittel des Tubus und damit recht nah am Okularauszug. Damit ändert sich die Okularposition beim Schwenken des Teleskops nur geringfügig, welches zum bequemen Beobachten beiträgt.

Der Multi-Schiefspiegler ist auch für die Astrofotografie gut geeignet.
Im Gegensatz zu vielen anderen Schiefspiegler-Varianten tritt nur eine geringe Bildfeldneigung von maximal 1.5° auf, die in nahezu jeder Anwendung vernachlässigbar ist, zudem tritt keine Bildfeldwölbung auf. Das vignettierungsfreie Bildfeld wird (wie bei anderen Spiegelteleskopen auch) durch die Groesse des Sekundärspiegels bestimmt und beträgt typischerweise 0.5°.

Damit ist der Multi-Schiefspiegler ein universelles Instrument für den anspruchsvollen Amateurastronomen und ermöglicht Beobachtungen, welche die physikalische Leistungsgrenze der Optik ausschöpfen. Die unvermeidlichen Restfehler des optischen Systems sind deutlich kleiner als die Beugungsscheibe (beugungsbegrenzte Optik) und damit nicht mehr wahrnehmbar.

Aufgrund der relativ hohen Lichtstärke der Optik beschränken sich die Beobachtungsobjekte nicht nur auf Mond und Planeten, sondern das Gerät erschließt auch alle anderen beobachtbaren Objekte. Besonders eindrucksvoll erscheinen beispielsweise kompakte Sternhaufen und Doppelsterne, die mit hoher Auflösung und Vergrösserung beobachtet werden können.

Der kompakte Aufbau und das begrenzte Tubusgewicht ermöglichen zudem auch einen flexiblen Einsatz um günstige Beobachtungsorte aufzusuchen.

Abbildungsgüte

 Multi-Schiefspiegler Teleskope liefern eine beugungsbegrenzte Abbildung auf der optischen Achse und bis zu einem Bildfeld von etwa 0.5° (siehe Spotdiagramme). Je nach genauer optischer Auslegung (Öffnung, Blende usw.) kann das nutzbare Bildfeld auch noch etwas grösser sein. Wie beim Kutter Schiefspiegler treten bei grösseren Bildfeldern Koma und Astigmatismus auf. Grösse und Form der ausseraxialen Fehler sind zudem richtungsabhängig. Das Spotbild ist also nicht mehr rotationssymmetrisch. Beim Schiefspiegler ensteht diese Asymmetrie aufgrund der nicht-rotationssymmetrischen Spiegelanordnung. Man unterscheidet dabei zwischen der meridionalen Ebene (gemeinsame Ebene der Spiegelmittelpunkte) und der saggitalen Ebene (senkrecht dazu).

Beim Multi-Schiefspiegler tritt eine geringe Bildfeldneigung von etwa 1.5° auf. Eine entsprechende Unschärfe der Sternabbildung auf fotografischen und CCD- Aufnahmen konnte bisher nicht nachgewiesen werden. Die Bildfeldkrümmung ist ebenfalls vernachlässigbar.

Aufgrund der Hauptspiegelneigung entstehen bei jedem Schiefspiegler die Bildfehler Koma und Astigmatismus auch auf der optischen Achse. Durch Einhalten der Konstruktionsgeometrie und optischen Parameter kann die Koma beim Multi-Schiefspiegler schon konstruktiv vollständig auf der optischen Achse kompensiert werden. Der Astigmatismus wird durch eine präzise Einstellung der Spiegelneigungen ausjustiert. Aufgrund von Temperaturänderungen kann eine geringfügige Dejustage in der Praxis nicht vollständig ausgeschlossen werden. In der Bedienungsanleitung wird ein entsprechendes Verfahren zur Nachjustage beschrieben. Solange es sich nur um kleine Winkelkorrekturen handelt, lässt sich dies mit einer geringen Verstellung der hinteren Spiegel während der Sternbeobachtung erreichen.

In zahlreichen Tests konnte nachgewiesen werden , das bei PKW-Transporten keine Dejustage der Teleskope auftritt. Die Spiegel sind dazu entsprechend stabil am Rahmen fixiert.

Die Abbildungsqualität von Spiegelteleskopen kann in der Praxis durch Wärmeströmungen im Tubus stark beeinträchtigt werden. Bei Abkühlung der Spiegel steigt von deren Oberfläche Warmluft auf, welche als Wärmeschlieren beispielsweise am defokussierten Stern direkt sichtbar werden. Das Teleskop sollte bei der Beobachtung also möglichst gut temperiert sein. Beschleunigen lässt sich die Temperaturanpassung auch durch einen rückseitigen oder seitlichen Lüfter, der die Warmluft von den Spiegeln absaugt.

©WolterScope